METAL MESSAGE VOL. 5 (Sampler) (2009)
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1. Fimbulvet: Helias Bann |
| 2. Hromovlad: Slavia | |
| 3. Tumulus: Kochevonov Plyas | |
| 4. Dark Forest: Journey To Ever-Eternal Skies | |
| 5. Tiwaz: The Battlelore | |
| 6. Dyrathor: Im Auge des Sturms | |
| 7. Xérion: No Pazo Derruido Da Existencia | |
| 8. Adorned Brood: Sons of the Damned | |
| 9. Waylander: As Deities Clash | |
| 10. Natan: Volkskracht | |
| 11. Andras: Miasma Track | |
| 12. Obscurity: Nach Asgard wir reiten | |
| 13. Vinternatt: De Zwarte Mis |
(77:49/ Metal Message)
In Zeiten, wo ernsthaft darüber diskutiert wird, ob man Musik – egal
welcher Spielart – nur noch in digitaler Form anbieten soll, ist es doppelt
und dreifach schön zu sehen, dass es noch echte Idealisten gibt, die sich mit
Herzblut in eine Sache knien und der Kunstform Musik die Form verleihen, die sie
verdient und die als Gesamtwerk verstanden werden will: Inhalt und Verpackung
bilden eine homogene Einheit, und wie schon bei den Vorgängern ist auch auf der
fünften Edition die Bandauswahl vom Feinsten und offenbar so manche Perle, und
in Sachen Artwork hat sich Initiator Markus Eck vom renommierten
Metalmessage-Webzine diesmal selbst übertroffen. Nicht nur, dass er Ed Repka (Death,
Megadeth) für die Erschaffung des witzigen Covers für sich gewinnen konnte, er
liess es sich auch nicht nehmen, die fünfte Ausgabe seines hauseigenen Samplers
im edlen, handnummerierten DVD-Format unter die Leute zu bringen, mit einem
dicken Hochglanz-Booklet, in dem neben ausführlichen Bandvorstellungen vor
allem die wunderschönen, hochwertigen und selbst geschossenen Naturbilder
aufmerken lassen. So sieht Leidenschaft für Musik & Ideologie aus! Auf
diese Tatsache weist der gute Markus auch mit einer separat beigelegten Karte
hin, einem ernsthaften, dringlichen Appell an die Hörer und Geniesser von „Metalmessage
Vol. V“. Es empfiehlt sich also, den wertvollen Sampler irgendwo zu
platzieren, wo er jederzeit erspähbar ist.
Der Anzug stimmt also, könnte edler kaum ausfallen. Wenden wir uns nun der
musikalischen Seite zu, wo wir auf ganz viel Licht und ganz wenig Schatten
treffen, meist im feinen Pagan-Zwirn, manchmal auch im etwas schwarzmetallischer
angehauchten Gewand.

Treibend und energiegeladen legen Fimbulvet mit „Helias Bann“
vor, einer eingängigen Uptempo-Nummer im klasschen Pagan Metal-Gewand
inklusiver ausdrucksstarkem Gesang, einer Menge geiler Melodien und hohem Eingängigkeitsfaktor.
Bedeutend folkloristischer präsentieren sich die ersten osteuropäischen
Vertreter, Hromovlad aus der Slowakei. Der Kontrast zwischen feinen
zarten Flötenklängen und harschen, mit Keifgesang ausgestatteten
Brachialpassagen erscheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich, zumal
trotz aller heidnischen Durchschlagskraft die spirituelle Erhabenheit nie zu
kurz kommt. Etwas gemässigter dagegen die Russen von Tumulus, bei denen
anzumerken ist, dass erstens die Tonlage des Gesang in heimischer Sprache
absolute Geschmackssache ist und sich zweitens eine Balalaika hervorragend in
den Gesamtsound einfügen lässt. Mit Inbrunst und Leidenschaft ist „Kochevonov
Plyas“ aber auf jeden Fall vorgetragen. Das erste Highlight kommt aus Kanada,
von dem Ein-Mann-Projekt Dark Forest, das sich epischstem, majestätischstem
Black Metal der traditionellen Schaffensweise verschrieben hat und fast schon
Erinnerungen an alte Emperor weckt. Schleppend, stampfend, mit halligem
Keifgesang, einem spitzen Gitarrensolo und Bathory-mässigen Chorälen
ausgestattet, berührt „Journey To Ever-Eternal Skies“ das schwarze Herz im
Innersten. Nicht ganz so spektakulär agieren Tiwaz aus Brasilien (!) in
der Schnittmenge aus hymnischem Pagan und einem Schuss melodischem Black Metal,
können aber mit gelungenen Melodiebögen und einem Mitgröl-kompatiblen Refrain
punkten; nur der übermässig getriggerte Schlagzeugsound nervt. Sehr stark
dagegen der Beitrag der deutschen Dyrathor, deren Hymne „Im Auge des
Sturms“ vor allem von dem ausdruckstarken Gesang und der sehr gefühlvollen
und keineswegs kitschig eingesetzten Violine lebt, dezente Tastenklänge und
akustische Gitarren sorgen für ein kämpferisches und naturverbundenes Flair.
Ein weiterer Höhepunkt ereilt uns aus dem sonnigen Spanien mit der einzigen
reinrassigen Black Metal-Formation Xerión, die sowohl hasserfülltes
Geprügel als auch getragene, tieftraurige Melodik verkörpert. Das Intensitäts-Level
in „No Pazo Derruido Da Existencia” ist durchgehend hoch, und bei aller
misanthropischen Wut geht die Dramatik und schroffe Schönheit des Songs
keineswegs verloren. Einen richtigen Qualitätsabschwung gibt es eigentlich nur
bei Adorned Brood zu verzeichnen, die sich im plakativen Stampfer „Sons
Of The Damned“ in übelstem Manowar’schem „Wir sind alle eine grosse
Metal-Familie und fighten against die Welt“-Pathos suhlen und auch musikalisch
von ihrer alten Klasse weit entfernt sind. Schade.

Bedeutend besser machen es die zweiten Vertreter aus Irland, Waylander, die mit typisch irischen Folk-Melodien aufwarten und deren tanzbare Energie sich sofort auf den Hörer überträgt. Erdig, furios, flink und lebendig, so der Charakter von „As Deities Clash“, das einen entspannten, fast schon meditativ anmutenden Mittelteil enthält. Ausgesprochen fein auch der schwarzmetallische angehauchte Beitrag der Belgier von Natan, die vor allem an die alte nordische Gruppierungen erinnern und mit zünftigen Gitarrenleads, einigen Schippen Aggressivität und einer gewissen symphonischen Note, das Ganze veredelt von einer absolut professionellen Produktion, auf ganzer Linie überzeugen. Auch hier ergänzt eine sinnvoll eingesetzte Violine den teilweise getragenen, bombastischen Song. Andras haben sich mit ihrem aktuellen Album „Iron Way“ an die Spitze der deutschen Pagan Metal-Zunft katapultiert, und präsentieren mit dem fantastischen „Miasma Track“ den Opener ebendieser Scheibe, der vor allem von der sagenhaften heroischen Stimme von Ecthelion und den fulminanten Gitarrenarrangements lebt. Die letzten deutschen Vertreter auf der fünften Ausgabe des Metalmessage-Samplers sind Obscurity, deren Name mir schon längers geläufig machen und die mit „Nach Asgard wir reiten“ ein ordentliches Fass aufmache. Der Track donnert erbarmungslos nach vorne und dürfte auf Konzerten abgehen wie ein Zäpfchen. Kraftvolle, eingängige Melodien, Doublebass-Geschwader, brülliger Gesang – fertig ist die ultimative Pagan Metal-Schlachthymne, zu der sich gar vortrefflich abschädeln lässt. Zum Finale blasen schlussendlich die Belgier von Vinternatt. Die Rohform von „De Zwarte Mis“ ist eigentlich gut gelungen, harsch, aber mit subtilen Harmonien, fieser Keifgesang, nur leider fiedelt die Violine ziemlich schräg in der Gegend umher.
Summa summarum lässt sich also konstatieren, dass „Metal Message Vol 5“ ein durchweg gelungenes Paket geworden ist und jedem Liebhaber paganmetallischer Klänge schwer ans Herz gelegt werden sollte, genauso wie Sammlern von liebevoll aufgemachten, aufwendigen, authentischen und hörenswerten Samplern. Wo Metal Message draufsteht, ist Qualität und Leidenschaft drin.
